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1000 Meilen durch Amerikas Mittleren Westen

„Auf den Spuren der Auswanderer“, so lautete der Titel einer Gruppenreise, die der Arbeitskreis Heimatmuseum Bad Laer für die ersten beiden Oktoberwochen angeboten hatte.



Organisiert und durchgeführt vom Reiseveranstalter Dr. Wolfgang Grams und assistiert von Ludwig Wahlmeyer. 23 Amerika-Enthusiasten aus Bad Laer, der engeren und weiteren Region waren dabei. Und bei ihrer Rückkehr aus Amerika waren sich alle einig: Dies war ein einmaliges Reiseerlebnis mit unvergesslichen Eindrücken.

Nein, keine Sightseeing-Tour massentouristischer Routine, sondern eine sorgfältig geplante Exkursion abseits ausgetretener Touristenpfade mit persönlichen Begegnungen sowie interessanten Hintergrundinformationen zur Auswanderergeschichte und amerikanischen Alltagskultur.

Als erstes stand Cincinnati auf dem Programm, einst wichtigster Anlaufpunkt für Amerikaauswanderer aus dem Osnabrücker Land, so auch aus Laer. Die Stadtrundfahrt hier zur Stadt- und Auswanderergeschichte wurde von Professor Tolzman, Präsident der Society for German American Studies, durchgeführt.

Mit dem Bus ging es dann weiter durch die unendliche Weite des Mittleren Westens nach Illinois und dort ins Städtchen Teutopolis.
Herzlicher Empfang vor dem Rathaus in Teutopolis durch Bürgermeister Weber und Gemeinderat
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Herzlicher Empfang vor dem Rathaus in Teutopolis durch Bürgermeister Weber und Gemeinderat

Und hier wurden die Gäste aus old Germany mit einem unübersehbaren Transparent vor dem Rathaus begrüßt:

WILLKOMMEN EINWOHNER VON BAD LAER OCTOBER 2009

Der Empfang im Rathaus durch Bürgermeister und Gemeinderat war überaus herzlich, das kalte Büfett wohlschmeckend und ergiebig. Fast alle Bewohner Teutopolis´ haben deutsche Wurzeln, viele im Osnabrücker Land, auch in Bad Laer. Namen wie Niebrügge, Metten und Holkenbrink gibt es hier gleich dutzendweise.
Am Sonntag wurde die Messe in St. Franziskus besucht. Die ersten Bänke waren für die Gäste aus Deutschland reserviert. Beim anschließenden Empfang im Gemeindesaal erfuhr man, dass hier in den 60er und 70er Jahren des 19. Jahrhunderts ein Pastor namens Matthias Hiltermann aus dem Altkreis Iburg segensreich wirkte. Ein Besuch des örtlichen Museums schloss sich an, und dann wurden alle deutschen Gäste vom Bürgermeister in ein Restaurant zum Mittagessen eingeladen. Danach ging´s zum Feuerwehrhaus. Wilhelm Eckelkamp war hier in seinem Element. Ihm und den deutschen Gästen wurden Ausrüstung und Feuerwehrwagen präsentiert.
Weiter ging´s mit dem Bus hinaus auf`s Land durch endlose Maisfelder zur Holkenbrink-Farm. Ludwig Wahlmeyer kannte den Weg. Er war vor 36 Jahren schon einmal da, als man in Teutopolis noch Plattdeutsch sprach. Alle wurden vom Farmer Floid Holkenbrink und seinen acht Geschwistern nebst Anhang herzlich begrüßt und dann zur Farmbesichtigung durch weitläufige Schweineställe und danach zur gemeinsamen Kaffeetafel eingeladen.
Zum Abschied aus Teutopolis erhielt jeder Besucher vom Bürgermeister Weber ein persönliches Geschenkpaket, verbunden mit bürgermeisterlichem Handschlag und Überreichung einer Urkunde, die jedem Reiseteilnehmer die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Teutopolis verlieh. Solchermaßen geehrt, ging´s weiter mit dem Bus zur nächsten Station, St. Louis, mit aufschlussreichen Zwischenstopps zur amerikanischen Geschichte und Indianerkultur.

In der Metropole am Mississippi wohnte man in einem noblen Viersterne-Hotel mitten im Stadtzentrum mit grandiosem Blick auf die Wolkenkratzerkulisse, den Mississippi und das alles überragende Wahrzeichen der Stadt, das Tor zum Westen. Dieses Terrain wurde in den folgenden zwei Tagen im Bus und per pedes erobert, ein echtes Kontrastprogramm zum liebenswürdigen und beschaulichen Teutopolis. Unvergesslich in St. Louis - um nur einiges zu nennen - die Fahrstuhlfahrt den Torbogen hinauf bis auf 190 m Höhe und hier der atemberaubende Blick über die Wolkenkratzerkulisse in die Weiten des wilden Westens. Die Landnahme dort durch europäische, vor allem auch deutsche Siedler, dokumentiert ein Museum sehr anschauliche am Fuße des Tors zum Westen.

Sehr beschaulich verlief die Fahrt von St. Louis nach New Melle durch eine herbstlich bunte Hügellandschaft, vergleichbar dem Teutoburger Wald. Das war wohl der Grund für die Meller Einwanderer, gerade hier zu siedeln. Hier und da gab es Weinberge. Auf einem Weingut kehrte man zum Mittagessen ein und lies sich bei herrlichem Spätsommerwetter draußen den Missouriwein schmecken.

Danach ging´s weiter mit dem Bus am Mississippi entlang bis ins Städtchen Hanibal, Geburts- und Wirkungsort von Mark Twain. Sein zum Museum umgebautes Wohnhaus schaute man sich genauer an und ließ sich Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn erklären. Die anschließende Dampferfahrt auf dem Mississippi fiel leider etwas ungemütlich aus, da es inzwischen zu regnen begonnen hatte. Beeindruckend dennoch die riesige Flusslandschaft. Der Mississippi ist hier fast einen Kilometer breit.

Das nächste Quartier wurde in der schmucken Kreisstadt Quincy bezogen, einst beliebtes Ziel ost-westfälischer Einwanderer mit einem für amerikanische Verhältnisse recht alten historischen Stadtkern, geprägt durch prächtige Villen. Auf halbem Weg kehrte man beim Heimatverein des Dörfchens Golden ein und ließ sich dort - auch das eine Rarität - eine jüngst renovierte Windmühle zeigen, die einst von deutschen Auswanderern errichtet worden war. Danach luden uns die Mühlenleute zum gemeinsamen Mittagessen ins Vereinsheim ein. Sie kümmerten sich rührend. Einige waren noch – einigermaßen – der plattdeutschen Sprache mächtig.
Weiter ging´s dann auf der Autobahn durch endlose Sojabohnen- und Maisfelder zum Höhepunkt und Abschluss der Reise in die Millionen-Metropole am Michigan-See, Chicago. Einiges sei wenigstens stichpunktartig erwähnt, so der Blick auf Präsident Obamas Wohnhaus während der Stadtrundfahrt. Vor allem der Besuch des Sears-Towers, einst höchstes Bauwerk der Welt. Von seiner Aussichtsplattform „on the top“ bot sich bei untergehender Abendsonne ein grandioser Rundblick über Wolkenkratzer und endloses Häusermeer Chicagos. Überwältigende Eindrücke im Abendlicht. Für die meisten wohl unvergesslich wie die gesamte überaus gelungene Reise auf den Spuren der Auswanderer. Dazu trug nicht zuletzt die reibungslose Organisation von Dr. Wolfgang Grams bei, vor allem seine ebenso sachkundigen wie unterhaltsamen Kommentare während der gesamten Fahrt.
 

http://www.badlaer.de
erstellt am 21.11.2009

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